An der Wall Street könnten bald 4-fach gehebelte ETFs für Bitcoin und Ethereum erhältlich sein...
Die Wall Street betrachtete die Bitcoin-Volatilität und sagte: „Da muss mehr passieren.“ Hier kommen die 4x-ETFs ins Spiel…
Die SEC hat die erste Welle von Spot-Krypto-ETFs noch nicht einmal vollständig geprüft, da legt ProShares schon mit einer neuen Herausforderung nach: Fonds, die das Vierfache der täglichen Kursbewegungen von Bitcoin und Ethereum erzielen sollen. Wenn Spot-ETFs Stützräder für traditionelle Finanzdienstleistungen sind, dann sind diese Fonds das Downhill-Rennrad mit fragwürdigen Bremsen.
Anfang Februar reichte ProShares die Zulassung für eine Reihe von gehebelten Produkten mit vierfachem Hebel ein, die die täglichen Kursbewegungen von BTC- und ETH-Futures abbilden sollen. Die Idee ist theoretisch einfach, in der Praxis jedoch chaotisch: Steigt Bitcoin beispielsweise um 5 %, versucht der ETF, um etwa 20 % zu steigen. Fällt Bitcoin hingegen um 5 %, ist das schmerzhaft.
Wie ein 4x Krypto-ETF tatsächlich funktioniert
Diese Fonds halten weder Bitcoin noch Ethereum direkt. Stattdessen nutzen sie Futures, Swaps und andere Derivate, um das Portfolio auf ein bestimmtes tägliches Vielfaches des zugrunde liegenden Index auszurichten. Das bedeutet häufiges Rebalancing, das Trader gerne nutzen, um frühzeitig Gewinne zu erzielen, was langfristige Anleger meist bereuen.
Da das Ziel ein tägliches Vielfaches ist, können sich die Renditen im Laufe der Zeit auf ungewöhnliche Weise summieren. In einem volatilen Markt kann es zu einem „Volatilitätsverfall“ kommen, bei dem wiederholte Auf- und Abwärtsbewegungen den Wert des Fonds mindern, selbst wenn der zugrunde liegende Vermögenswert letztendlich nahezu unverändert bleibt. Privatanleger, die diese Fonds wie langfristige Anlageinstrumente behandeln, lernen im Grunde auf die harte Tour, wie sich Pfadabhängigkeit auswirkt.
Warum ProShares hier Chancen wittert
ProShares brachte bereits 2021 den ersten US-Bitcoin-Futures-ETF auf den Markt und weiß daher um die Nachfrage nach gebündelten Spekulationsprodukten. Das Argument lautet diesmal: Wenn Händler bereits Offshore-Perpetual-ETFs mit 10- oder 20-facher Hebelwirkung nutzen, ist ein Produkt mit 4-facher Hebelwirkung über US-Brokerhäuser quasi eine Schadensbegrenzung.
Im Hintergrund spielt sich auch die Gebührenfrage ab. Spot-ETFs entwickeln sich zu einem Gebührenwettbewerb mit minimalen Margen, während exotische Produkte und gehebelte Fonds in der Regel höhere Gebühren erheben und eine höhere Umschlagshäufigkeit aufweisen. Wenn Sie im ETF-Geschäft tätig sind und Ihre Standardfonds allmählich zu Massenware werden, suchen Sie nach Wettbewerbsvorteilen, bei denen die Komplexität höhere Gebühren rechtfertigt.
Wer kann dieses Zeug benutzen, ohne in die Luft zu fliegen?
Bei sorgfältiger Anwendung eignen sich 4x-ETFs für kurzfristige Positionierungen. Daytrader und einige Fonds können sie nutzen, um taktische Einschätzungen abzugeben, ohne Sicherheiten zwischen Derivatebörse und Börse hin- und herzuschieben. Man kann das Engagement für einige Stunden erhöhen und es dann wieder reduzieren, bevor Finanzierungskosten oder der Wertverfall die Gewinne aufzehren.
Das Problem beginnt, wenn dieser Anwendungsfall überstrapaziert wird. Die Geschichte gehebelter Aktien-ETFs ist voll von Beispielen, in denen Privatanleger sie wochen- oder monatelang hielten und sich dann wunderten, warum ihr „4x-Bullenfonds“ stagnierte, während der Index stieg. Überträgt man diese Dynamik auf Bitcoin und Ethereum, die bereits innerhalb einer Woche zweistellige prozentuale Kursschwankungen aufweisen, erhält man ein Produkt, das schlecht getimte Überzeugungen zunichtemachen kann.
Das große Ganze bei Krypto und ETFs
Einerseits ist dies ein ziemlich starkes Signal dafür, dass Kryptowährungen nun Teil des regulären Produktzyklus der Wall Street sind. Zuerst gibt es Spot-Investitionen, dann Futures, dann Optionen, dann Hebelprodukte, dann Dividendenfonds und schließlich ein monströses Spätzyklusprodukt, das in einer Senatsanhörung auftaucht. Kryptowährungen haben offiziell das Stadium der „hochkarätigen ETFs“ erreicht.
Auf der anderen Seite werden Aufsichtsbehörden und Risikoteams viele Fragen haben. Wenn man Spot-ETFs, Futures-basierte Produkte, Optionsmärkte und nun auch noch einen vierfachen Hebel auf denselben Basiswert kombiniert, können Stressereignisse schneller eintreten, als die meisten es gewohnt sind.
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Autor: Oliver Redding
Seattle Newsdesk /

