Samsung bringt Stablecoins auf 240 Millionen Handys... nur welche, sagt das Unternehmen nicht.
Samsung hat soeben Hunderten Millionen Handybesitzern mitgeteilt, dass sie bald digitale Dollars direkt neben ihren Bordkarten und Kundenkarten für Kaffeegeschäfte aufbewahren können.
Auf dem Galaxy Unpacked Event in London am 22. Juli bestätigte Samsung, dass die Samsung Wallet Stablecoins nativ unterstützen wird. Damit werden an den US-Dollar gekoppelte Token in dieselbe App integriert, die Nutzer bereits zum kontaktlosen Bezahlen mit ihrem Smartphone verwenden. Für eine Branche, die seit Jahren Stablecoins als die ultimative Anwendung für Kryptowährungen preist, ist die offizielle Bestätigung durch einen der größten Hardwarehersteller der Welt ein bedeutender Schritt. Samsung erklärt, dass diese Funktion das Unternehmen zu einer der ersten großen Smartphone-Marken machen würde, die Stablecoins nativ auf ihren Geräten unterstützen – und genau diese Reichweite ist der entscheidende Faktor. Samsung liefert jährlich Hunderte Millionen Smartphones aus, sodass die potenzielle Verbreitung alles übertrifft, wovon eine eigenständige Krypto-Wallet je träumen könnte.
Und dennoch hüllte sich Samsung angesichts dieser wichtigen Ankündigung in seltsames Schweigen zu den wirklich entscheidenden Details. Zwar wurde auf der Bühne ein Modell mit Circles USDC präsentiert, doch weder USDC noch Tether oder ein anderer Emittent wurden als bestätigter Partner genannt. Es gibt weder ein Startdatum noch Informationen zu den unterstützten Blockchains, eine Liste der teilnahmeberechtigten Länder und keine Antwort auf die wichtigste Frage für alle, denen ihre Finanzen am Herzen liegen: Verwahrt Samsung die Gelder oder übernimmt Samsung die Verwahrung selbst? Dieser letzte Punkt – Verwahrung versus Selbstverwaltung – ist der entscheidende Unterschied zwischen einer echten Krypto-Wallet und einer bloßen Guthabenanzeige, und Samsung hat sich dazu bisher nicht geäußert. Für eine Funktion, die Vertrauen schaffen soll, bleiben viele Fragen offen.
Die Kreditkarte ist der Teil, der tatsächlich versendet wird.
Fast unbemerkt von den Schlagzeilen um Stablecoins ging Samsungs eigentliche Produkteinführung am selben Tag unter: die Samsung Galaxy Card. Diese Kreditkarte wird von Barclays ausgegeben und läuft im Visa-Netzwerk. Sie wurde am 22. Juli in den USA eingeführt – ohne jegliche Ankündigung. Das Bonusprogramm zielt klar darauf ab, Kunden an Samsung zu binden: 5 % Cashback auf Samsung-Einkäufe, 3 % auf alle Käufe über die Samsung Wallet und 2 % auf Streaming-Dienste. Für sich genommen ist das eine recht gewöhnliche Co-Branding-Karte, wie sie jede große Marke irgendwann einführt, um treue Kunden zu gewinnen. Interessant wird sie jedoch durch den Kontext: Samsung versucht ganz offensichtlich, die Wallet von einem Ort zur Speicherung von Flugtickets zu einem vollwertigen Finanzzentrum auszubauen, und Stablecoins sollen dem Ganzen einen modernen Anstrich verleihen.
Zusammengenommen deuten die Karte und die angekündigte Stablecoin-Funktion auf dasselbe Ziel hin: Samsung möchte, dass Wallet die zentrale Anlaufstelle für Geld ist – zum Aufbewahren, Ausgeben und schließlich auch für Geldtransfers –, ohne dass eine separate Banking- oder Krypto-App geöffnet werden muss. Die Karte dient aktuell dem Bezahlen und funktioniert einwandfrei. Die Stablecoin-Unterstützung soll, sobald sie verfügbar ist, den Geldtransfer ermöglichen und es Nutzern erlauben, digitale Dollar so einfach zu versenden wie ein Foto. Auf dem Papier klingt das schlüssig, doch Pläne können bekanntlich scheitern, und Samsung hat sich durch die fehlende Festlegung auf einen konkreten Termin selbst genügend Spielraum gelassen.
Weitere Implikationen
Selbst wenn Sie persönlich nie vorhaben, auch nur einen Cent USDC auf Ihrem Smartphone zu speichern, sind das gute Nachrichten für Krypto-Trader. Die Akzeptanz von Kryptowährungen im Einzelhandel konzentrierte sich in der Vergangenheit zunächst auf Stablecoins und erst später auf Spekulationsgeschäfte. Jemand, der bereits ein Stablecoin-Guthaben in einer vertrauenswürdigen App hält, kann Bitcoin oder Ether viel schneller kaufen als jemand, der noch gar keine Kryptowährungen besitzt und sich erst bei einer Börse anmelden muss. Wenn Samsung tatsächlich eine einfache Stablecoin-Funktion für einen Großteil seiner Nutzerbasis bereitstellt, erweitert das Unternehmen still und leise den Markt für alle. Dieser Effekt wirkt sich langsam aus und wird sich – egal wie sehr man es sich wünscht – nächste Woche nicht in einem Candlestick-Chart zeigen.
Genau deshalb sollten Sie keine unmittelbaren Kursbewegungen erwarten. Die Kryptoindustrie hat eine lange und wenig beeindruckende Geschichte von Schlagzeilen über „wichtige Partnerschaften“ und „breite Akzeptanz“, die im Moment zwar euphorisch wirkten, aber im Folgemonat keinerlei Auswirkungen auf die Kurse hatten. Infrastrukturankündigungen funktionieren oft so. Ihre Bedeutung entwickelt sich über Jahre, nicht über Tage, und diese Ankündigung ist besonders vage, da vieles noch aus Entwürfen und Versprechungen besteht und nicht aus fertigem Code. Betrachten Sie sie als Richtungshinweis für die Entwicklung von Fintech-Lösungen für Endverbraucher – die eindeutig in Richtung digitaler Währungen in bereits genutzten Apps geht – und nicht als Grund, Ihr Portfolio heute umzuschichten.
Das Kleingedruckte
Was bedeutet das nun konkret? Samsung hat sich lautstark und glaubwürdig dazu bekannt, Stablecoins einem breiten Publikum zugänglich zu machen, und dieses Engagement ist für die langfristige Akzeptanz durchaus bedeutsam. Doch ein Versprechen ohne namentlich genannten Partner, ohne Datum, ohne Blockchain und ohne Verwahrungsmodell ist im Grunde nur eine Absichtserklärung, und Absichtserklärungen sind in dieser Branche bekanntlich nicht viel wert. Die Galaxy Card ist real und bereits erhältlich, die Stablecoin-Wallet hingegen nur eine Präsentation und ein Prototyp. Diese Diskrepanz sollte man sich vor Augen halten, wenn einem das nächste Mal erzählt wird, Kryptowährungen seien über Nacht zum Mainstream geworden. Die weiteren Details in den kommenden Monaten werden zeigen, ob Samsung tatsächlich eine echte Krypto-Wallet entwickelt oder nur eine ansprechendere Darstellung von Zahlen.
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Autor: Ren Nakamura
Newsroom Asien
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