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Michael Saylors Strategie: Erstmals seit 2022 hat er Bitcoin verkauft – die Ära des „Niemals verkaufens“ ist vorbei.

Strategie Bitcoin

Michael Saylor behauptete fünf Jahre lang ein und dasselbe über Bitcoin: Strategie würde sich niemals verkaufen. Dieser Satz trifft heute nicht mehr zu.


Das Unternehmen gab in einer SEC-Meldung vom 1. Juni bekannt, Ende Mai 32 BTC zu einem Durchschnittspreis von 77,136 US-Dollar veräußert und damit rund 2.5 Millionen US-Dollar eingenommen zu haben. Es ist der erste Bitcoin-Verkauf des Unternehmens seit 2022 und der erste Verkauf im Rahmen der Unternehmensstrategie, auf der Saylor seine gesamte öffentliche Identität aufgebaut hat. Der Betrag ist gering – etwa 0.004 % des Unternehmensbestands von rund 843,706 BTC –, doch in diesem Markt hat Symbolik eine größere Wirkung als Basispunkte. Am Montagnachmittag verlor die Aktie von Strategy rund 4 % an Wert, und der Bitcoin-Kurs fiel erstmals seit fast zwei Monaten wieder unter 70,000 US-Dollar.

Der Verkauf an sich war eine rein organisatorische Angelegenheit, die eigentlich niemanden hätte beunruhigen sollen. Der von Strategy erzielte Betrag hätte kaum für ein verlängertes Wochenende mit Dividendenzahlungen gereicht. Was er aber bewirkte, war, dass jeder Bitcoin-Maximalist, der Saylor in den letzten fünf Jahren zitiert hatte, seine Argumente überdenken musste. Er lieferte einem nervösen Markt genau die Schlagzeile, die er nicht brauchte. Und er zwang Saylor selbst, einen Schritt zu verteidigen, von dem er ein halbes Jahrzehnt lang behauptet hatte, er würde niemals stattfinden.

Warum ein Verkauf im Wert von 2.5 Millionen Dollar aus einem Milliardenvolumen überhaupt von Bedeutung ist

Das Geld fließt in die Dividendenzahlungen für STRC, die von Strategy aufgelegte und unter dem Namen „Stretch“ vermarktete, unbefristete Vorzugsaktie. Diese Aktienklasse generiert hohe Kuponzahlungen, die mit liquiden Mitteln finanziert werden müssen. Strategys Cashflow aus dem Softwaregeschäft reicht allein nicht aus, um die gesamten Zahlungen zu decken. Analysten schätzen, dass das Unternehmen über alle seine Vorzugsaktienklassen hinweg jährliche Dividendenzahlungen von weit über einer Milliarde Dollar leisten muss. Um die Bücher zu bereinigen, wurde daher ein kleiner Teil des weltweit größten Bitcoin-Bestands eines Unternehmens verkauft. Saylor verteidigte den Schritt nur wenige Stunden nach Bekanntgabe gegenüber X und erklärte, das Ziel des Unternehmens sei es, „STRC zum besten Kreditinstrument der Welt zu machen“.

Übersetzung: Es ging hier nicht um Vertrauen in Bitcoin. Es war ein strategisches Problem. Die Finanzinstrumente, mit denen Saylor kontinuierlich Bitcoin kaufte, Vorzugsaktien, Wandelanleihen und Aktien ausgab, zwingen ihn nun stillschweigend dazu, einen kleinen Teil davon zu verkaufen. Rein rechnerisch mag dieser Handel in Ordnung sein. Weitaus problematischer ist er jedoch für den Mythos, der sich darum rankt.

Von „Niemals verkaufen“ zu „Niemals Nettoverkäufer sein“

Bis zum letzten Monat war Saylors Linie eindeutig: Bitcoin würde niemals verkauft werden. Punkt. Nachdem Strategy am 5. Mai angedeutet hatte, möglicherweise einen kleinen Teil seiner Position zu reduzieren, um Dividenden zu finanzieren, änderte sich die Kommunikation. Nun heißt es, man werde niemals ein „Nettoverkäufer“ sein, was bedeutet, dass Strategy weiterhin plant, deutlich mehr Bitcoin zu kaufen als zu verkaufen. Saylor verspricht Investoren, für jeden verkauften Bitcoin 10 bis 20 BTC zu erwerben. Diese Rechnung deckt sich mit Strategys Bilanz, widerspricht aber dem, was Bitcoin-Besitzer und überzeugte Anhänger jahrelang in YouTube-Kommentaren behauptet haben.

Berichterstattung von Medien wie The Block stilisierte den Verkauf selbst in dieser Größenordnung zu einem Wendepunkt, da Saylor in all seinen vorherigen öffentlichen Auftritten immer wieder denselben Punkt betont hatte. Er verglich den Verkauf von Bitcoin mit dem Zerschneiden eines Familienerbstücks. Er sagte, das Unternehmen würde nur dann verkaufen, wenn die gesamte Geschäftsgrundlage zusammenbräche. Die Geschäftsgrundlage ist nicht zusammengebrochen. Und dennoch sind 32 Coins verschwunden, und der Slogan wurde stillschweigend durch eine etwas flexiblere Formulierung ersetzt.

Der Markt brauchte keinen weiteren Grund zum Verkaufen.

Der Zeitpunkt ist besonders bitter. Bitcoin fiel diese Woche erstmals seit fast zwei Monaten unter 70,000 US-Dollar, und die Liquidationen im gesamten Kryptomarkt überstiegen innerhalb von 24 Stunden 1.5 Milliarden US-Dollar. US-amerikanische Bitcoin-ETFs verzeichneten nun elf Handelstage in Folge Nettoabflüsse, wobei Anleger in diesem Zeitraum fast 3.5 Milliarden US-Dollar abzogen. Neue Spannungen im Iran-Konflikt und eine neue Runde von US-Sanktionen gegen eine iranische Kryptobörse verschärften die ohnehin schon angespannte Lage zusätzlich. Die Händler waren bereits nervös, und selbst eine nur symbolische Verkaufsmitteilung traf einen Markt, der nach einem Grund für weitere Panik suchte.

Das ist der entscheidende Punkt. Die Strategie hat nichts kaputt gemacht. Die eigentliche Bitcoin-These – dass große Institutionen weiterhin kaufen werden, dass das Angebot begrenzt ist und dass börsennotierte Unternehmen weiterhin Kapital in Bitcoin anlegen werden – bleibt bestehen. Doch der wohl prominenteste Bitcoin-Befürworter der Welt hat schließlich verkauft. Auch wenn der Grund dafür denkbar unspektakulär ist, hat dies weitreichendere Folgen als der eigentliche Handel.

What Happens Next

Strategy ist nach wie vor mit Abstand der größte Bitcoin-Aktionär unter den börsennotierten Unternehmen. Die Vorzugsaktienstruktur bietet derzeit mehr Kaufkraft, als sie an Dividendenzahlungen kostet, und 32 Coins sind rein statistisch gesehen eine Randnotiz. Laut den von CoinDesk zusammengefassten Offenlegungen hat Saylor bereits versprochen, dass der nächste Quartalsbericht starke Nettokäufe und keine Verkäufe ausweisen wird. Die Zahlen sollten stimmen. Der Slogan hingegen nicht. Und jeder Analyst, der MSTR beobachtet, wird die nächste Offenlegung der Vorzugsaktien mit äußerster Vorsicht studieren.

Für denjenigen, der „Niemals verkaufen“ zu einer Art Unternehmensphilosophie erhoben hat, ist dieser erste Verkauf eine unumkehrbare Grenze. Investoren werden die nächsten Quartalsberichte genauer unter die Lupe nehmen als bisher, und Saylors alter Slogan muss grundlegend überarbeitet werden. Wenn Strategy weiterhin 10 bis 20 BTC für jeden verkauften BTC kauft, wird das in einem Jahr kaum ins Gewicht fallen. Sollte der Druck durch die Dividendenzahlungen in Zukunft zu größeren Kurskorrekturen führen, ändert sich die Lage grundlegend. Vorerst ist die Ära des „Niemals verkaufen“ vorbei und wurde durch etwas Ehrlicheres und deutlich Unspektakuläreres ersetzt.

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Autor: Cedric Holloway
New Yorker Nachrichtenredaktion
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